Hundeschlachthaus in Yulin geschlossen: Neun Hunde vor "Hundefleisch"-Festival gerettet
von belmedia Redaktion Allgemein Betrieb Betrieb Business Essen & Trinken Events Gastronomie Handel Haustiere Hunde hundenews.ch Inspiration Magazine nachrichtenticker.ch News Nutztiere Orte Sicherheit Themen Tierarzt Tiere Tierschutz Tierwelt tierwelt.news Übersee Unternehmen Verbreitung Wirtschaft
Nur wenige Tage vor Beginn des berüchtigten Hundfleisch-„Festivals“ in Yulin in der chinesischen Provinz Guangxi haben Tierschützer ein Hundeschlachthaus in der Stadt dauerhaft geschlossen – die erste Massnahme des Lebenswandel-Programms der Stadt.
Neun Hunde, die auf dem Gelände gefunden wurden, entgingen dem Tod. Darunter befinden sich drei, die noch ihre Halsbänder trugen und eindeutig gestohlene Haustiere waren: ein Labrador, den die Retter An An genannt haben, ein Beagle mit dem Namen Moli und ein Pudel, den sie Lian nannten.
Vshine Animal Protection Association hat mit finanzieller Unterstützung und logistischer Beratung des langjährigen Partners Humane World for Animals (ehemals Humane Society International) eine rechtsverbindliche Vereinbarung mit dem Besitzer des Hundeschlachthauses getroffen, um die Anlage zu schliessen. Der Betrieb hat seit Beginn mehr als 15’000 Hunde getötet.
Das Schlachthaus liefert Hundekadaver an Restaurants und Märkte des Yulin-„Festivals“. Der Besitzer war bei der Schliessung anwesend und freut sich darauf, dieses brutale Geschäft aufzugeben und eine neue Tätigkeit für seinen Lebensunterhalt aufzubauen.
„Ich freue mich auf ein friedliches Leben“, sagt Herr Huang (Name geändert) in einer von Humane World for Animals übersetzten Erklärung. „Ich habe fast 20 Jahre lang Hunde getötet. Es ist ein schmutziges Geschäft und ich habe mich dabei nie gut gefühlt. Ausserdem essen heutzutage weniger Menschen Hundefleisch, deshalb fällt es mir schwer, meine Familie zu ernähren. Ich bin erleichtert, das hinter mir zu lassen und einen stabileren Lebensunterhalt zu haben. Ohne die Unterstützung dieses Programms hätte ich diesen Lebenswandel nicht vollziehen können, aber ich denke, viele weitere Hundefleisch-Betriebe in Yulin würden sich für eine Schliessung entscheiden, wenn sie solche Unterstützung bekämen.“
Das Schlachthaus liegt etwa 30 Kilometer südlich des Stadtzentrums von Yulin. Dort wurden seit 2007 jede Woche rund 15 Hunde geschlachtet. Die Hunde wurden auf den Kopf geschlagen und ihre Kehlen durchschnitten, bevor man sie zerlegte. Der Juni war der stärkste Monat des Schlachthauses und machte wegen des Yulin-„Festivals“ 70 Prozent der Jahreseinnahmen aus.
Dies ist die erste Massnahme des Lebenswandel-Programms, die in Chinas Zentrum des Hundfleischhandels in Yulin stattfindet. Es ist ein greifbares Beispiel dafür, wie Vshine und Humane World for Animals zusammenarbeiten, um praktische Lösungen zu entwickeln, die den Handel beenden und sowohl Menschen als auch Tieren zugutekommen. In ganz Asien hat Humane World for Animals ähnliche Umstellungen im Rahmen des „Models for Change“-Programms durchgeführt. Seit mehr als einem Jahrzehnt unterstützt die Organisation Hundezüchter in Südkorea dabei, auf andere Tätigkeiten wie den Anbau von Chili oder Pilzen umzusteigen. Vor Kurzem hat Humane World for Animals das „Models for Change“-Programm in Vietnam, Indien und Indonesien gestartet.
Julie Sanders, Direktorin der Kampagne für ein Ende des Hunde- und Katzenfleischhandels bei Humane World for Animals, sagt: „Es ist unglaublich ermutigend zu sehen, dass diese Umstellung in Yulin stattfindet, das wohl berüchtigtste Zentrum für Hunde- und Katzenfleisch in China. Aber selbst hier ist die Unterstützung für den Handel gering, und Händler wollen aus familiären und finanziellen Gründen aus dem Geschäft aussteigen.
Der Hunde- und Katzenfleischhandel in China ist unpopulär, oft illegal, eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit durch die Verbreitung von Tollwut, wirtschaftlich von begrenzter Bedeutung und kein Teil der allgemeinen Esskultur. Wir wollen zeigen, dass es möglich und sinnvoll ist, diesen brutalen und umstrittenen Handel zu beenden, indem wir den Beteiligten helfen, auf neue Erwerbsquellen umzusteigen. Das würde nicht nur tausende Hunde und Katzen retten, sondern den Menschen auch eine sicherere, legale und nachhaltige Existenz abseits des gefährlichen und illegalen Hundfleischhandels bieten.“
Die neun Hunde, die im Schlachthaus gerettet wurden, erhalten derzeit dringend notwendige tierärztliche Versorgung, um sich von ihrem Leid zu erholen, bevor man sie in das Tierheim von Vshine bringt. Sie werden unter Quarantäne gestellt, geimpft und kastriert, bevor man sie zur lokalen Adoption in sichere und liebevolle Zuhause vermittelt.
Anfang dieses Jahres reichte Vshine beim Nationalen Volkskongress einen Gesetzesvorschlag ein, um den Schutz von Haustieren zu verbessern, einschliesslich eines landesweiten Verbots des Hunde- und Katzenfleischhandels.
Chen Xiaolei von Vshine sagt: „Es war sehr bedrückend, dieses Hundeschlachthaus zu betreten, in dem so viele Hunde über Jahre hinweg auf so brutale Weise ihr Leben verloren haben. Dieser grausame und schmutzige Handel hat im modernen China keinen Platz und das Hundfleisch-„Festival“ von Yulin ist ein Makel für Chinas internationales Ansehen. Wenn die Behörden von Yulin Massnahmen unterstützen würden, die Händlern den Umstieg auf andere Erwerbsquellen ermöglichen, könnten sie dazu beitragen, diesen grausamen Handel endgültig zu beenden und in China eine Vorreiterrolle beim Ende des Hunde- und Katzenfleischhandels übernehmen.“
Fakten über den Hunde- und Katzenfleischhandel in China:
- Schätzungsweise 20 Millionen Hunde und 6 Millionen Katzen werden jedes Jahr in ganz Asien brutal getötet und gegessen, in Ländern wie Vietnam, China, Kambodscha, Indonesien und mehreren Bundesstaaten im Nordosten Indiens.
- China hat den weltweit grössten Markt für Hunde- und Katzenfleisch, mit schätzungsweise 10 Millionen Hunden und 4 Millionen Katzen, die jährlich geschlachtet werden. Trotzdem essen die meisten Menschen in China keine Hunde und Katzen und der Handel ist in den grossen Städten Shenzhen und Zhuhai verboten.
- In ganz Asien ist das Schlachten und der Verkauf von Hunden und Katzen zum Verzehr in Taiwan, Hongkong, den Philippinen, Thailand und Südkorea (ab 2027) ausdrücklich verboten. In anderen Ländern wie Singapur und Malaysia ist der Handel durch bestehende Gesetze zum Tierschutz, zur Vermeidung von Tierquälerei sowie zu Hygiene bei Tieren und Lebensmitteln praktisch untersagt. Ausserdem ist der Handel in der Stadt Siem Reap in Kambodscha und in 121 Regierungsbezirken, Städten und Provinzen in Indonesien verboten.
- Die meisten Hunde und Katzen, die für den Verzehr geschlachtet werden, sind gestohlene Haustiere, Wachhunde oder Streuner, die von der Strasse entführt oder mit Giftködern und Pfeilen gefangen werden.
- Das sogenannte Lychee- und Hundefleisch-„Festival“ in Yulin ist keine traditionelle Veranstaltung. Hundefleischhändler führten es 2010 ein, um den Konsum anzukurbeln und die Verkäufe zu steigern. Vor 2010 gab es in Yulin keine Geschichte eines kommerziellen Verkaufs von Hunde- oder Katzenfleisch.
- Im Laufe der Jahre haben die Behörden von Yulin mehrere Massnahmen ergriffen, darunter Strassensperren, um Lastwagen mit Hunden und Katzen an der Einfahrt in die Stadt zu hindern. Dennoch haben die Behörden keine umfassenden Massnahmen umgesetzt, um den Handel zu verbieten, obwohl dieser vor allem auf kriminellen Aktivitäten beruht.
- Chinas Lebensmittelsicherheitsgesetz verbietet in Artikel 34 die Verarbeitung von Lebensmitteln aus Tieren, die nicht als Nutztiere gelten, und nationale sowie provinziell geltende Schlachtvorschriften beziehen sich nicht auf Hunde und Katzen, sodass der Hunde- und Katzenfleischhandel gegen das Gesetz verstösst.
Quelle: Humane World for Animals / Vshine Animal Protection Association
Bildquelle: Humane World for Animals / Vshine Animal Protection Association