Warum Hunde Gras fressen: Was Tierärzte darüber wirklich sagen
Manche Hunde knabbern Gras, ohne krank zu sein – es ist kein Rettungsversuch, sondern Teil ihres Verhaltensrepertoires.
Tierärzte und Verhaltensforscher betonen: Grasfressen allein ist meist harmlos, nur in Kombination mit anderen Symptomen Anlass zur Abklärung.
Normales Verhalten, instinktive Wurzeln
Untersuchungen zeigen, dass Grasfressen bei vielen Hunden regelmässig vorkommt, ohne dass vorher Krankheitszeichen auftreten. Eine grosse Befragung mit über 1’500 Hundebesitzerinnen und -besitzern ergab, dass etwa 68 % ihrer Hunde täglich oder wöchentlich Pflanzen fressen – in den meisten Fällen Gras – doch nur rund 8 % zeigten vorab Krankheitssymptome.
In einer experimentellen Studie mit gesunden Hunden wurde beobachtet, dass Grasfressen besonders häufig vor der regulären Mahlzeit geschieht, weniger stark nach dem Fressen, und dass die Häufigkeit im Tagesverlauf abnimmt.
Forscher deuten dieses Verhalten als Überbleibsel von Instinkten aus der Wildnis: Wildcaniden verschlangen Teile von Pflanzen über die Beute mit, zur Faseraufnahme oder als Mittel gegen Parasiten.
Mögliche Gründe laut veterinärmedizinischer Forschung
Grasfressen hat je nach Hund mehrere Ursachen – häufig kombiniert. Folgende Gründe werden wissenschaftlich diskutiert:
- Verdauungsförderung und Faserzufuhr: Gras kann als natürliche Ballaststoffquelle dienen und die Darmbewegung unterstützen.
- Unwohlsein im Magen: Manche Hunde fressen Gras, wenn sie sich leicht unwohl fühlen, etwa wegen zu grosser Gallenansammlungen; das Gras kann dann reizen und Erbrechen hervorrufen. Allerdings zeigt die Forschung, dass nur ein kleiner Teil der Hunde vor dem Grasfressen Symptome zeigt, und nicht alle nachher erbrechen.
- Instinkt und evolutionäre Herkunft: Verhalten, Pflanzen zu fressen, findet sich auch bei Wölfen und anderen wilden Caniden, oft ohne erkennbare Krankheit.
- Psychische Faktoren: Langeweile, Stress oder ein Bedürfnis nach Stimulation können eine Rolle spielen. Wenn Hund oft allein ist, wenig Beschäftigung hat oder selten ausgeführt wird, neigt er eher dazu, Gras zu knabbern.
- Nährstoffmangel: Diese Theorie wird oft genannt, jedoch haben Studien gezeigt, dass bei Hunden mit ausgewogenem Futter kein klarer Zusammenhang besteht zwischen der Qualität der Nahrung und wie oft Gras gefressen wird.
Wann Grasfressen Anlass zur Sorge ist
Auch wenn Grasfressen in der Regel unproblematisch ist, gibt es Warnsignale, die auf eine gesundheitliche Ursache hinweisen könnten:
- Wiederholtes oder häufiges Erbrechen nach dem Grasfressen.
- Begleiterscheinungen wie Durchfall, auffälliger Gewichtsverlust, verminderter Appetit oder vermindertes Leistungsniveau.
- Plötzlicher Anstieg des Grasfressens bei bisher unauffälligem Hund.
- Gras aus belasteten Bereichen – z. B. mit Pestiziden, Herbiziden, Düngemitteln oder nahe Verkehrsrändern.
- Hinweise auf Parasiten im Kot, auffälliges Lecken, oft verlorene Kondition.
Was kann unternommen werden
Tierärztinnen und Verhaltensforscher empfehlen:
- Regelmässige parasitologische Kontrolle und prophylaktische Entwurmung.
- Hochwertiges Futter wählen, welches Alter, Gesundheitszustand und Aktivitätsgrad berücksichtigt.
- Ballaststoffe in der Ernährung: Wenn nötig, Regionalgras oder pflanzliche Zusätze erwägen, die sicher und ungiftig sind.
- Mehr Bewegung, geistige Beschäftigung, Spiel und Sozialkontakte, um Langeweile oder Stress abzubauen.
- Auf Grasflächen achten, die sicher sind – ohne Chemikalien, sauber, keine scharfen Fremdkörper oder giftige Pflanzen.
- Bei Unsicherheit oder wenn Warnzeichen auftreten: tierärztliche Abklärung mit Untersuchung und ggf. Kotprobe, Blutbild etc.
Quelle: hundenews.ch‑Redaktion
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